30​/11

Jerzy Jurandot / David Safier: »Die Liebe sucht ein Zimmer«

30.11.2017 – »Mitten im Horror wird der Liebe und der Lebensfreude wenigstens ein kleines Zimmer reserviert. « (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
 
Ada hat gestern Edmund geheiratet. Stefcia heute erst Marian. Doch Stefcia liebt Edmund. Und Ada liebt Marian. Das merken sie, als sie alle vier in der Wohnungsnot des elendigen Warschauer Ghettos ein gemeinsames Zimmer beziehen müssen. Liebe ist in den Zeiten des nahenden Todes das kostbarste Gut. Doch werden die vier ihren chaotischen Liebesknoten, begleitet von Musik und Gesang, bis zum Happy End auflösen können?
 
Eine Holocaustkomödie? Die einzige Art von Holocaustkomödie, die möglich ist – denn sie wurde zu Zeiten des Holocausts aufgeführt, 1942 im Warschauer Ghetto. Von jüdischen Schauspielstars, die ihr letztes Stück spielten. Für Juden im Publikum, die wenige Monate später in die Lager kamen. Der Text des Stücks wurde von dem Autor Jerzy Jurandot vergraben, lagerte danach als Fund in den Archiven, bis David Safier bei den Recherchen zu seinem preisgekrönten Bestseller 28 Tage lang darauf stieß und das Stück behutsam bearbeitete. Subversiver Witz über den Ghettoalltag, frivole Lieder, sarkastische Bemerkungen, all das macht die Komödie im Stil der leichten Hollywoodmusicals der 1930/40er Jahre zu etwas Besonderem. Die Zuschauer von heute werden lachen über das, worüber die Opfer des Holocausts in ihrem Alltag lachen konnten, und sich dadurch mit ihnen verbunden fühlen. Zugleich entsteht – durch das Wissen, was mit den Juden des Ghettos geschehen ist – im Kopf der Zuschauer eine weitere düstere Ebene, die mit dem eigenen Gelächter im Spannungsfeld steht. Eines, das noch lange nach dem letzten Lacher nachwirken wird.
 
Die Liebe sucht ein Zimmer ist als E-Book bei Rowohlt Rotation erschienen. Die Hörspielfassung war für den Deutschen Hörspielpreis 2017 nominiert. Die deutschsprachige Erstaufführung ist noch frei.