Dschabber

Jabber
Deutsch von Bastian Häfner
1D / 2H, Besetzung variabel, empfohlen ab 14 Jahre

Mit einer einfachen Perspektivverschiebung erreicht Marcus Youssef etwas Unerhörtes:
Die Hauptfigur in Dschabber ist eine junge, selbstbewusste Muslima, die sich für das Kopftuch, den Hidschab, entschieden hat. Die 16-jährige Fatima ist vor zwei Jahren mit ihren Eltern aus Ägypten geflohen, und selbst wenn sie ihre alte Heimat gelegentlich vermisst, hat sie sich an ihre neue Umgebung recht mühelos angepasst. Die Einschränkungen, die ihr kultureller Hintergrund mit sich bringt, sind ihr durchaus bewusst, sie akzeptiert sie aber als Teil ihrer Identität. Ernsthafte Probleme ergeben sich erst, nachdem ihre Eltern sie wegen eines anti-muslimischen Graffitis die Schule wechseln lassen. Fatima vermisst nicht nur ihre besten Freundinnen, die sich selbstironisch die «Dschabber» nennen, sondern muss sich mit ihrem neuen Mitschüler Jonas herumschlagen, der ihr mit seiner Mischung aus Ignoranz und Hartnäckigkeit auf den Geist geht. Doch vielleicht gerade weil die beiden unterschiedlicher kaum sein könnten, lässt Jonas, dem ein Ruf als Troublemaker vorauseilt, auch seine sanften Seiten erkennen, und zwischen den beiden Teenagern entwickelt sich eine vorsichtige Liebesgeschichte. Die Schwierigkeiten aber, die ihre Freundschaft mit sich bringt, werden zur größten Herausforderung ihres Lebens, an der beide beinah zerbrechen. Mit spielerischer Leichtigkeit schlüpfen drei Darsteller_innen in die verschiedenen Rollen und machen gelegentlich auch ihre eigene Haltung zur Geschichte deutlich, was dem Geschehen zusätzlich erzählerische Verve verleiht. Marcus Youssef erzählt unaufgeregt und zugleich einfühlsam von zwei Jugendlichen, deren Unterschiede für sie selbst zwar nicht unproblematisch, aber überbrückbar sind. Für ihre Umgebung jedoch scheint ihre Beziehung eine unerträgliche Provokation zu sein.

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U: September 2012 Geordie Theatre, Montreal (Regie: Amanda Kellock)